5 Fragen an... AHK Brasilien-Rio de Janeiro

5 Fragen an… Hanno Erwes, Hauptgeschäftsführer der AHK Brasilien-Rio de Janeiro.

Brasilien erlebt aktuell sowohl politisch als auch wirtschaftlich turbulente Zeiten. Erste Prognosen weisen jedoch auf eine Verbesserung der Lage hin, zumal das Land über großes Potenzial verfügt. Hanno Erwes, Hauptgeschäftsführer der AHK Brasilien-Rio de Janeiro, über die aktuellen Herausforderungen und Aussichten des Landes.

Im Jahr 2011 wuchs die brasilianische Wirtschaft noch um mehr als sieben Prozent, in diesem Jahr schrumpft sie um mehr als drei Prozent. Wie kam es dazu?

Erwes: Ein Auslöser für diese Veränderungen war unter anderem der Einbruch der Rohstoffpreise, der Brasilien sehr hart traf. Die Binnennachfrage – traditionell Wachstumsmotor der brasilianischen Wirtschaft – sank angesichts steigender Arbeitslosigkeit, hoher Zinsen und Inflationsraten. Hinzu kam ein Vertrauensverlust in die brasilianische Politik. Diese Entwicklungen führten auch zur Verunsicherung bei einigen deutschen Firmen. Doch wir beobachten, dass vorausschauende Unternehmen die positiven wirtschaftlichen Aussichten für das Land und den aktuell günstigen Wechselkurs wieder für umfangreiche Investitionen nutzen.

Sie schauen also optimistisch in die Zukunft?

Erwes: Auf jeden Fall. Angesichts des großen Binnenmarktes bei geringer Marktdurchdringung besteht ein immenser Nachholbedarf. Zudem gehen wir von einer weiteren Erholung der Rohstoffpreise aus. Fachleute erwarten, dass der wirtschaftliche Abwärtstrend bereits mit der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Vizepräsident Michel Temer im April 2016 gestoppt wurde. In der wöchentlich durchgeführten Umfrage der brasilianischen Zentralbank werden die Konjunkturprognosen seit einigen Wochen wieder nach oben revidiert. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Wirtschaft 2017 wieder um mindestens 1,5 Prozent wächst. Kurzum: Die Chancen, die sich Unternehmen hier bieten, sind deutlich größer als die Risiken.

Welche Maßnahmen sollte die Regierung am schnellsten umsetzen, damit sich das Investitionsklima verbessert?

Erwes: Oberste Priorität der Politik sollte die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen sein, mit denen sie das Vertrauen der Unternehmen gewinnen kann. Der Industrieverband des Bundesstaats Rio de Janeiro (FIRJAN) sieht das Land dabei jedoch bereits auf einem guten Weg, sodass sich unter der Übergangsregierung Temer das konjunkturelle Klima sowie die Rahmenbedingungen für investitionswillige Unternehmen kurzfristig verbessert haben.

In diesem Jahr findet die Olympiade in Rio de Janeiro statt. Inwieweit profitieren davon deutsche Unternehmen?

Erwes: Auf der einen Seite können sich deutsche Unternehmen, die zum Teil bereits von Aufträgen im Zusammenhang mit der Olympiade profitierten, potenziellen Kunden und Kooperationspartnern in den deutschen olympischen Einrichtungen präsentieren. Auf der anderen Seite bietet die Großveranstaltung aber auch eine gute Gelegenheit, dass deutsche Unternehmen das Potenzial der Region Rio de Janeiro erkennen. Schließlich ist der Bundesstaat führend in den Bereichen Öl und Gas, Logistik, Informations- und Kommunikationstechnik, Medizintechnik, Medien und zunehmend in Forschung und Entwicklung in Brasilien.

In Lateinamerika feiern in diesem Jahr mit Ihnen vier weitere Kammern ihr hundertjähriges Bestehen: Argentinien, Brasilien-São Paulo, Chile und Uruguay. Wie begehen Sie dieses Jubiläum?

Erwes: Zu diesem Anlass sind zahlreiche Projekte geplant. Beispielsweise feiern wir am Vorabend der Eröffnung der Olympischen Spiele mit 300 hochkarätigen Gästen im Rahmen eines Galadinners den AHK-Geburtstag. Im Zusammenhang mit den Paralympischen Spielen hat die AHK Brasilien-Rio de Janeiro gemeinsam mit Partnern ein längerfristiges Förderprogramm ins Leben gerufen, in dem Lehrer geschult werden, um behinderte Sportler gezielt ausbilden zu können. Mit einer exklusiven Sonderausgabe werden wir zudem die Geschichte und erfolgreiche Entwicklung der deutschen Wirtschaft im Bundesstaat Rio de Janeiro würdigen und dokumentieren.

+ Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Brasilien ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil ...“

Erwes: … das Land über einen riesigen Markt für deutsche Produkte verfügt, der angesichts sich abzeichnender Verbesserungen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wieder zu überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Wachstumsraten zurückkehren wird.

Zur Person

©Marden Matos

Hanno Erwes ist seit 16 Jahren für die AHK Brasilien in Rio de Janeiro tätig – zunächst als Abteilungsleiter für Außenwirtschaft, seit 2005 als Geschäftsführer. Zuvor war der diplomierte Betriebswirt in führender Position für zahlreiche brasilianische und multinationale Unternehmen tätig.

Zur AHK Brasilien-Rio de Janeiro

  • Gründungsjahr: 1916
  • Standort: Rio de Janeiro
  • Kontakt: Hanno Erwes
  • E. hanno@ahk.com.br
  • T. +55(0)21 2224 2123

    Brasilien: die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt - starker Markt für deutsche Produkte

    Über Brasilien

    • BIP pro Kopf, in USD, 2016*: 7.447,4
    • Wirtschaftswachstum, 2016 in %, real*: - 3,8
    • Beziehungen zu Deutschland 2015 (Veränderung ggü. 2014)*:
      Dt. Einfuhren, in Mio. EUR: 8.496,1 (- 6,3 %)
      Dt. Ausfuhren, in Mio. EUR: 9.896,5 (- 4,7 %)
    • Hermes Länderkategorie: 4
    • Ease of Doing Business 2016: 116 von 189 Ländern

      Quellen: GTAI 2015, Destatis 
      * Prognose