5 Fragen an... AHK Greater China-Peking

5 Fragen an… Alexandra Voss, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking

Das erste Büro der AHK Greater China wurde 1981 in Taipeh eröffnet. Mittlerweile unterstützen die insgesamt fünf Delegationen der AHK an weiteren Standorten in Peking, Shanghai, Guangzhou und Hongkong rund 3.100 Mitglieder. Alexandra Voss, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking, über wichtige Strukturreformen in China und die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Obwohl eine prognostizierte Wachstumsrate von 6,3 Prozent für 2016 noch immer beachtlich ist, befindet sich Chinas Wachstum auf einem 25-Jahres-Tief. Ist der Aufwärtstrend Chinas beendet?

Voss: Von einem Ende des Aufwärtstrends kann angesichts solcher Wachstumszahlen nicht die Rede sein. Laut dem neuen 13. Fünfjahresplan soll sich das Bruttoinlandsprodukt Chinas zwischen 2010 und 2020 verdoppeln. Dazu soll Chinas Wirtschaft über die kommenden fünf Jahre um jährlich mindestens 6,5 Prozent wachsen. Die Verlangsamung des Wachstums liegt neben der Abschwächung der Weltkonjunktur vor allem am aktuellen Transformationsprozess, in dem sich das Land befindet. China will in Zukunft verstärkt auf ein Wachstum setzen, das nicht nur von Anlageinvestitionen und Export getrieben wird, sondern von der Dienstleistungsbranche, dem Binnenkonsum und Innovationen. Diese Umstellung der chinesischen Wirtschaft kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen. Die Regierung hat aber unter anderem durch Programme wie „Made in China 2025“ und dem neuen Fünfjahresplan Leitlinien vorgegeben, die in eine richtige Richtung weisen.

Was sind dabei die wichtigsten Strukturreformen und welche Chancen erwachsen hieraus für deutsche Unternehmen?

Voss: Die chinesische Regierung setzt mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen an, um den Transformationsprozess voranzutreiben. Für die deutschen Unternehmen sind hierbei insbesondere weitere Marktliberalisierungen, die Förderung von Innovationen und Verbesserungen beim Umweltschutz, etwa die Reduktion des CO2-Ausstoßes und die Förderung von grünen Technologien, von zentraler Bedeutung. Deutsche Unternehmen können ihr Know-how und ihre Erfahrung einbringen und bieten sich so als wichtige Kooperationspartner an.

Vor welchen Herausforderungen stehen deutsche Unternehmen in China?

Voss: Laut unserer jährlichen Mitgliederbefragung stellen Personalthemen, vor allem steigende Lohnkosten und die Verfügbarkeit von Fachkräften, deutsche Unternehmen in China seit Jahren vor große Herausforderungen. Des Weiteren sind die Unternehmen mit den Problemen des beschränkten Marktzugangs und der Ungleichbehandlung ausländischer Unternehmen konfrontiert. Allerdings können wir festhalten, dass es zum Beispiel beim Schutz geistigen Eigentums und der Rechtssicherheit große Fortschritte gibt. Weitere Reformen und Verbesserungen sind aber erforderlich.

Wie gelingt und funktioniert die Koordination innerhalb des Greater China-Verbunds und wie profitieren Unternehmen von dieser Zusammenarbeit?

Voss: Die Kooperation zwischen den fünf Standorten treiben wir seit geraumer Zeit voran, um eine noch höhere Dienstleistungsqualität anbieten zu können. So haben wir beispielsweise einheitliche Prozesse zur Bearbeitung von Kundenanfragen etabliert. Zudem gibt es einen regelmäßigen Austausch auf Leitungs- und Fachebene. Dadurch können wir unsere Dienstleistungen harmonisieren und auf die Kundenwünsche zugeschnittene Formate entwickeln. Außerdem haben wir an den einzelnen Standorten thematische Kompetenzzentren eingerichtet. In Peking verfügen wir zum Beispiel über ein umfangreiches Fachwissen beim Arbeitsrecht sowie im Umweltbereich.

Anfang 2014 eröffnete in Berlin die erste chinesische Handelskammer in Europa. Findet hier ein Austausch zwischen den Kammern statt?

Voss: Die Eröffnung der chinesischen Handelskammer in Berlin hat erneut die Bedeutung des deutschen Marktes für chinesische Unternehmen unterstrichen. Wir pflegen den Kontakt und den Austausch von Informationen, etwa über das jeweilige Dienstleistungsangebot oder unsere Publikationen. Hiervon profitieren natürlich auch unsere Mitglieder.

+Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „China ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil ...“

Voss: … die inzwischen zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt über eine hohe Innovationskraft und als bevölkerungsreichster Staat der Erde zudem über einen riesigen Absatzmarkt verfügt. Neben dem Dienstleistungssektor bieten insbesondere hochwertige und innovative Technologien im Produktions-, Umwelt- und Gesundheitsbereich sowie die Konsumgüterbranche viel Potenzial.

Zur Person

Delegation der Deutschen Wirtschaft Peking

Fünf Jahre leitete Alexandra Voss die AHK in Guangzhou, seit 2011 ist sie als Delegierte der deutschen Wirtschaft Geschäftsführerin der AHK in Peking. Nach dem Studium der Dipl.-Regionalwissenschaften China arbeitete sie unter anderem für den Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (APA), den BDI sowie für die SEQUA GmbH.

Zur AHK Greater China-Peking

  • Gründungsjahr: 1997
  • Standort: Peking
  • Kontakt: Alexandra Voss
  • E-Mail: info(at)bj.china.ahk.de
  • Telefon: +86(0)10 6539 6688

China: Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in Prozent

Über China

  • BIP pro Kopf, in USD, 2016*: 8.866,0
  • Wirtschaftswachstum, 2016 in %, real*: 6,3
  • Beziehungen zu Deutschland 2015 (Veränderung ggü. 2014)*:
    Dt. Einfuhren, in Mio. EUR: 91.523,8 (+ 14,7 %)
    Dt. Ausfuhren, in Mio. EUR: 71.211,4 (- 4,2 %)
  • Hermes Länderkategorie: 2
  • Ease of Doing Business 2016: 84 von 189 Ländern

    Quellen: GTAI 2015, Destatis 
    * Prognose