5 Fragen an... AHK Griechenland

5 Fragen an… Dr. Athanassios Kelemis, Geschäftsführer der AHK Griechenland

Kein anderes Land wird so sehr mit der Schuldenkrise Europas in Verbindung gebracht wie Griechenland. Tatsächlich hat die Wirtschaft eine starke Rezession durchlebt: Zwischen 2009 und 2015 sank das Bruttoinlandsprodukt um 25 Prozent. Doch langsam beginnen die Reformen zu wirken, für 2017 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent gerechnet. Dr. Athanassios Kelemis, Geschäftsführer der AHK Griechenland, über die Geschäfte deutscher Firmen und Ansätze gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Wie haben sich die Geschäfte deutscher Unternehmen in den Krisenzeiten entwickelt?

Kelemis: Natürlich haben auch die deutschen Unternehmen den starken wirtschaftlichen Rückgang in Griechenland zu spüren bekommen. Doch die deutschen Firmen, die hier tätig sind, haben der griechischen Wirtschaft ihre Treue gehalten. Rund 120 Unternehmen mit 29.000 Beschäftigten und Umsätzen von circa sieben Milliarden Euro sind weiterhin vor Ort. In der Krise haben einige Unternehmen sogar neue Investitionen vorgenommen. Dies zeigt, dass vom Wirtschaftsstandort Griechenland etwas zu erwarten ist, was durch die positive Entwicklung bei vielen Wirtschaftsdaten wie den Bruttoanlageinvestitionen oder dem privaten Konsum unterstrichen wird.

Inwiefern kann die deutsche Wirtschaft von den Reformen in Griechenland profitieren?

Kelemis: Die Strukturreformen und Privatisierungsprogramme, die von der griechischen Regierung umgesetzt werden, bilden nicht nur den Grundbaustein für das Wachstum und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands, sondern werden langfristig auch zur Steigerung der deutschen Exporttätigkeit führen. Zudem bieten die EU-Förderinstrumente Investitionschancen nicht zuletzt für deutsche Unternehmen. Sobald das Land die Wirtschaftskrise endgültig bewältigt hat, ergeben sich neue Möglichkeiten für deutsche Unternehmen zum Beispiel aus der Automatisierungstechnik oder dem Maschinenbau, zumal die griechische Wirtschaft vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise im Industriegüterbereich kaum investiert hat. Auch für die deutsche Konsum-güterindustrie bieten sich nach der Krise wieder große Chancen auf einem Markt, mit dem man lange Beziehungen pflegt.

Die Jugendarbeitslosigkeit bleibt ein drängendes Problem. Welche Handlungsansätze gibt es?

Kelemis: Es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, aber ich möchte insbesondere auf zwei Projekte eingehen, bei denen wir aktiv mitwirken. Die AHK Griechenland hat vor drei Jahren in Zusammenarbeit mit griechischen und deutschen Partnern zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Pilotprojekte im Bereich der dualen Ausbildung gestartet: das Projekt MENDI im Tou-rismussektor sowie das Projekt VETnet für technische Berufe. Zum ersten Mal werden in den beiden Projekten junge Menschen nach deutschem Vorbild und deutschen Standards auf dem dualen Weg ausgebildet. Vor allem durch die praktischen Elemente sollen junge Arbeitskräfte besser auf ihren späteren Job und die Anforderungen der Arbeitgeber vorbereitet werden.

Wie groß schätzen Sie aktuell noch die Gefahr eines Ausstiegs Griechenlands aus der Eurozone ein?

Kelemis: Sehr gering. Griechenland erlebt nach sieben turbulenten Jahren, sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht, in der Innenpolitik eine relativ stabile Zeit. Denn die europäische Orientierung Griechenlands wird nicht mehr angezweifelt, während das Programm zur Stabilisierung Wirkung zeigt und allmählich von den politischen Kräften angenommen wird.

Was steckt hinter dem Netzwerk ProGreece, welches Sie unterstützen?

Kelemis: ProGreece ist eine Internetplattform, die Angebot und Nachfrage von Produktions- und Dienstleistungskapazitäten zusammenbringt. Deutsche Unternehmen können dabei ohne Risiko die nicht ausgelasteten Ressourcen von griechischen Unternehmen nutzen und dadurch ihre Engpässe ausgleichen, sei es für Auftragsfertigungen oder die Auslagerung von Dienstleistungen. Bereits mehr als 900 Unternehmen sind in dem Netzwerk aktiv.

+Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Griechenland ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil...“

Kelemis: ... das Land Brückenkopf zwischen Ost und West sowie EU- und Eurozonen-Mitglied ist, über gut ausgebildete Arbeitskräfte bei günstigen Lohnkosten verfügt und sich durch die in der Krise beschlossenen Maßnahmen positive Entwicklungsaussichten ergeben.

Griechenland: wirtschaftliche Erholung erkennbar