5 Fragen an... AHK Indonesien

5 Fragen an… Jan Rönnfeld, Geschäftsführer der AHK Indonesien

Trotz der niedrigen Rohstoffpreise, von denen Indonesiens Wirtschaft eigentlich sehr abhängig ist, wächst das Bruttoinlandsprodukt des Landes um jährlich rund fünf Prozent. Die Wirtschaft der mit rund 255 Millionen Menschen größten Volkswirtschaft Südostasiens erweist sich damit nach der Finanz- und Wirtschaftskrise erneut als robust. Jan Rönnfeld, Geschäftsführer der AHK Indonesien, über hohe Gewinnmargen und Faktoren für den Geschäftserfolg.

Indonesiens Wirtschaft soll 2017 um 5,3 Prozent zulegen. Welche Bereiche treiben dieses Wirtschaftswachstum?

Rönnfeld: Die tragende Säule des indonesischen Wirtschaftsbooms ist der lokale Binnenmarkt. 2030 sollen 135 Millionen der dann 300 Millionen Einwohner der wachsenden Mittelschicht angehören. Darüber hinaus soll eine bessere Ausbildung zu einer Steigerung der Produktivität in der Zukunft führen. Hohe Infrastrukturinvestitionen treiben das Wachstum weiter an. Von den sich verändernden Konsumgewohnheiten, dem Bevölkerungswachstum und der Urbanisierung profitieren insbesondere die Bereiche Dienstleistungen, Maschinenbau und Prozessindustrie. Alles Felder, die exzellente Chancen für deutsche Unternehmen bieten.

Ökonomen bescheinigen Indonesien aktuell sogar potenzielle Wachstumsraten von sieben Prozent. Gehen Sie davon aus, dass es dem Land gelingt die Lücke zwischen realem und potenziellem Wachstum zu schließen?

Rönnfeld: Tatsächlich schöpft das Land noch nicht einmal sein ganzes Potenzial aus. Doch die Regierung tut einiges, um Schwächen zu beheben. Die Infrastrukturinvestitionen des Staates sind innerhalb kurzer Zeit von 14 Milliarden US-Dollar (2011) auf 24,4 Milliarden US-Dollar (2015) gestiegen. Die neue Regierung hat 14 Reformprogramme seit Mitte 2015 beschlossen, um die Transparenz zu erhöhen, Bürokratie abzubauen und ausländische Investitionen zu fördern. Dass die Maßnahmen bereits wirken, zeigt sich daran, dass Indonesien im Ease of Doing Business Index 2017 um 15 Plätze aufgestiegen ist. Im Bereich der Ausbildung hat Indonesien großes Interesse am deutschen dualen System und wird dahingehend bald erste Schritte beschließen.

Was sind die Gründe dafür, dass die Gewinnmargen von Unternehmen in Indonesien besonders hoch sind?

Rönnfeld: Der indonesische Markt ist sehr lukrativ. Mir wurde von mehreren Firmen bestätigt, dass einige Unternehmen hier mit die höchsten Gewinnmargen weltweit erzielen. Dies liegt vor allem daran, dass Firmen in vielen Bereichen auf wenig Konkurrenz treffen. In einzelnen Sektoren werden 90 Prozent der Produkte importiert. Für ausländische Unternehmen ist es jedoch oft nicht einfach, Fuß zu fassen. Daher ist die kompetente Unterstützung beim Markteinstieg eine unserer wichtigsten Aufgaben.

Was sind entscheidende Faktoren für den Geschäftserfolg in Indonesien?

Rönnfeld: In Indonesien muss mit einer langfristigen Strategie investiert werden, da persönliche Beziehungen für den Erfolg zentral sind. Es bietet sich an, mit einem lokalen Partner zusammenzuarbeiten, um von dessen Netzwerk profitieren zu können. Zudem ist er mit den kulturellen Gegebenheiten vertraut. Darüber hinaus ist die Regierung darauf bedacht, die lokale Wirtschaft zu fördern und stimuliert deshalb solche Kooperationen unter anderem durch steuerliche Begünstigungen. Da die Geschäftspartnerwahl so bedeutend für den Erfolg ist, haben wir als AHK uns darauf spezialisiert und können dabei auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen.

Indonesien gilt als Social-Media-Weltmeister. Bieten sich durch die Fortschritte im Bereich der Digitalisierung auch besondere Chancen für die Wirtschaft?

Rönnfeld: Auf jeden Fall bieten sich hier große Möglichkeiten. Angesichts von 17.000 Inseln und der mangelnden Infrastruktur ist die Bevölkerung zwangsläufig auf digitale Lösungen angewiesen. Aus dieser Not wurde eine Tugend und Geschäfte im Bereich E-Commerce profitieren natürlich davon. Hier werden Lösungen entwickelt, von denen deutsche Anbieter profitieren und sie können diese gegebenenfalls für den deutschen Markt adaptieren. Zudem treffen Investoren auf technikaffine Arbeitnehmer, mit denen die weitere Digitalisierung der Wirtschaft leicht zu bewältigen ist.

+Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Indonesien ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil ...“

Rönnfeld: ... Unternehmen auf einen großen Markt mit hohen Wachstumsraten und geringen Lohnkosten treffen, der dank der wachsenden Mittelschicht und der jungen, konsumhungrigen Bevölkerung weiter an Attraktivität gewinnt.

Indonesien: vielversprechender Investitionsmarkt für deutsche Unternehmen