5 Fragen an... AHK Südkorea

5 Fragen an… Barbara Zollmann, Geschäftsführerin der AHK Südkorea

Unter den TOP-15 der weltweit größten Wirtschaftsnationen, geringe Arbeitslosigkeit, eine hoch entwickelte Industrie und Infrastruktur – kaum jemand hätte vor 50 Jahren diese Prognose für Südkorea im Jahr 2016 gewagt. Barbara Zollmann, Geschäftsführerin der AHK Korea, über die Gründe für die schnellen Fortschritte und die stark wachsenden deutschen Exporte.

Südkorea ist mittlerweile die elftgrößte Wirtschaftsnation weltweit und dominiert wichtige Industriebereiche. Was war das Erfolgsrezept?

Zollmann: Korea hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit hoher Dynamik zu einem Industrieland par excellence entwickelt. Das ist vor allem auf eine gezielte Industriepolitik zurückzuführen. Der Binnenmarkt war lange abgeschottet, doch gleichzeitig gab es eine harte Konkurrenz der Firmen untereinander. Der Staat bestimmte die Zukunftsbranchen und vergab umfangreiche Fördermittel, vor allem für Infrastruktur, Bildung und Forschung. Heute sind Koreas Großkonzerne wie Samsung, LG und Hyundai globale Unternehmen und ein großes Netz an Freihandelsabkommen unterstützt Koreas Exportstärke. Aktuell werden die industriepolitischen Leitlinien wieder neu justiert, um die Weichen für die Zukunft zu stellen: Durch eine fokussierte Innovations-, Mittelstands- und Start-up-Förderung soll der Wandel vom „Fast Follower“ zum „First Mover“ gelingen, um dem Wirtschaftswachstum neue Impulse zu geben.

Die deutschen Exporte nach Korea stiegen seit 2011 um mehr als 50 Prozent. Damit ist Korea inzwischen Deutschlands zweitwichtigster Exportmarkt in Asien. Wie kam es zu dieser beeindruckenden Entwicklung?

Zollmann: Gründe dafür sind die hohe Kaufkraft der koreanischen Bevölkerung, eine große Nach-frage nach deutschen Fahrzeugen, Maschinen und Anlagen und das 2011 abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Korea. Mittlerweile sind fast alle deutschen Exporte von Einfuhrzöllen befreit. Korea ist aber nicht nur als Exportdestination interessant. Es hat auch eine strategische Bedeutung, denn Zuliefererentscheidungen für die globalen Aktivitäten der weltweit wichtigen koreanischen (Groß-)Firmen werden ebenfalls nur hier getroffen.

Anders als in Deutschland ist die Wirtschaft Südkoreas sehr stark von einzelnen Großkonzernen wie Samsung oder Hyundai abhängig. Gibt es Anstrengungen den Mittelstand zu fördern?

Zollmann: Unter dem Leitmotiv „Creative Economy" fördert die Regierung Innovation und Internationalisierung insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen. Dazu wurden landesweit 18 große Zentren für „Creative Economy and Innovation“ errichtet, die als Start-up-Hub dienen und in denen große, erfolgreiche Unternehmen kleineren Firmen Unterstützung anbieten. Zusätzlich hat der Staat rund 1,6 Milliarden US-Dollar für private Forschungs- und Entwicklungsprojekte bereitgestellt und Großkonzerne fördern mit mehreren Milliarden Euro die Entwicklung kleinerer Unternehmen.

Kann der deutsche Mittelstand von dieser Förderung profitieren?

Zollmann: Auf jeden Fall. Der deutsche Mittelstand kooperiert mit dem koreanischen durch ein dichtes Netz an Lieferbeziehungen und Technologiepartnerschaften. Dank dieser engen Verzahnung partizipieren deutsche Firmen am Wachstum der koreanischen Unternehmen. Das Potential ist groß, denn deutsche Zulieferer geben Korea oftmals einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die AHK Korea in Seoul hilft seit nunmehr 35 Jahren unter anderem bei der Etablierung von Geschäftsbeziehungen und berät zu regulatorischen Rahmenbedingungen. Korea-Desks an den IHKs Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt sowie ab Oktober an der IHK München bieten zudem eine intensive Erstberatung an.

Seit letztem Jahr schreiben Sie einen Innovation Award aus. Was waren die Beweggründe dafür?

Zollmann: Auf dem Weg vom „Fast Follower” zum „First Mover” sind Innovationskraft und Kreativität unabdingbare Faktoren. Durch unseren Innovation Award möchten wir das vorhandene Innovationspotential von Unternehmen in Korea in den Kategorien „Business“, „Green Technologies“ und „Workforce Development“ hervorheben und befördern. Schließlich sieht der Bloomberg Innovation Index 2016 Korea jetzt schon auf Platz 1.

+ Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Südkorea ist ein attraktiver Investitions- und Ex-portmarkt, weil ...“

Zollmann: ... deutsche Firmen hier auf einen dynamischen Markt mit hoher Kaufkraft treffen und weil auch nur in Korea entschieden wird, welche Maschinen, Anlagen oder Kraftwerkstechniken bei Investitionsprojekten der koreanischen (Groß-)Unternehmen weltweit eingesetzt werden.

Zur Person

AHK Korea

Nach zwei Stationen in der IHK-Organisation in Deutschland wechselte Barbara Zollmann 2001 zur AHK USA-Chicago, wo sie unter anderem als stellvertretende Geschäftsführerin tätig war. Ab 2009 war sie beim DIHK in Berlin für die Koordination der AHKs in Nord- und Südamerika sowie Westeuropa verantwortlich. Seit 2013 leitet sie die AHK Korea in Seoul.

Zur AHK Südkorea

  • Gründungsjahr: 1981
  • Standort: Seoul
  • Kontakt: Barbara Zollmann
  • E. bzollmann@kgcci.com
  • T. +82(0)2 3780 4650

      Südkorea: Spitzenposition bei Innovationen und Digitalisierung

      Über Südkorea

      • BIP pro Kopf, in USD, 2016*: 25.990
      • Wirtschaftswachstum, 2016 in %, real*: 2,7
      • Beziehungen zu Deutschland 2015 (Veränderung ggü. 2014)*:
        Dt. Einfuhren, in Mio. EUR: 7.667,1 (- 4,3 %)
        Dt. Ausfuhren, in Mio. EUR: 17.923,2 (+ 14,8 %)
      • Ease of Doing Business 2016: 4 von 189 Ländern

        Quellen: GTAI 2015, Destatis 
        * Prognose