5 Fragen an... Delegation der Deutschen Wirtschaft in Ghana

5 Fragen an… Patrick Martens, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Ghana

Ghana gilt dank einer stabilen Demokratie, einer im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten geringen Korruption und starken wirtschaftlichen Entwicklung als eine der Erfolgsgeschichten Afrikas. Patrick Martens, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Ghana, über die Gründe für den wirtschaftlichen Aufschwung und die Chancen für Erneuerbare Energien.

Seit 2010 ist die deutsche Wirtschaft mit dem Delegationsbüro in Ghana vertreten. Was haben Sie seitdem erreicht?

Martens: Zum einen haben wir das sektorübergreifende Dienstleistungsportfolio unter der AHK-Servicemarke DEinternational aufgebaut. Der Erfolg des Dienstleistungsbereichs zeigt sich darin, dass wir für circa 75 Prozent der hier aktiven deutschen Unternehmen der zentrale Ansprechpartner beim Markteintritt und -ausbau sind. Zum anderen fungierten wir zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Spitze einer hierzulande fortschrittlichen Bewegung, indem wir uns für die Thematik der Erneuerbaren Energien eingesetzt haben. Heute sind wir in diesem Feld ein aktiver Mittler zwischen der Regierung und der Privatwirtschaft.

Trotzdem soll in Ghana insbesondere durch die Nutzung von Erdgas und Kohle Energieengpässen in der Zukunft entgegengewirkt werden. Wie schätzen Sie in diesem Umfeld die Chancen der Erneuerbaren Energien ein?

Martens: Der Energiemarkt Ghanas gibt es her, dass sich sowohl Erdgas und Kohle als auch die Erneuerbaren Energien positiv entwickeln. Es ist gut, wenn das Land seine Energieversorgung diversifiziert und das Angebot erhöht. Mittelfristig kann nur durch Kohle und Gas die Bezahlbarkeit des Stroms und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Die Erneuerbaren Energien sind aber eine wichtige Ergänzung und bieten enorme Chancen. So soll laut der Regierung der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix Ghanas bereits 2020 ambitionierte zehn Prozent betragen.

Die Weltbank zählt Ghana seit wenigen Jahren zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Was sind die Gründe für den Aufschwung?

Martens: Zentral für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes waren die Öffnung der Märkte seit den 80er Jahren sowie die politische Stabilität. Das Land hat seit 1992 eine demokratische Verfassung und in der Zwischenzeit mehrere Regierungswechsel erlebt. Diese positive politische Entwicklung hat dazu geführt, dass Ghana zu einer Art Lieblingskind der internationalen Geber wurde. Darüber hinaus profitierte das Land von den steigenden Rohstoffpreisen sowie der boomenden Telekommunikations- und Bauwirtschaft.

Im aktuellen Afrobarometer werden Ghana Fortschritte bei der Armutsbekämpfung bescheinigt. Wie stufen Sie die Situation ein?

Martens: Es gibt Fortschritte in diesem Bereich. Klar ist aber auch, dass die Armutsbekämpfung eine große Herausforderung bleibt und eine fortwährende Aufgabe ist. Hier gilt es insbesondere im Bereich der Bildung noch Fortschritte zu erzielen. Die Grundschulbildung muss verbessert und das Berufsausbildungssystem stärker gefördert werden. Erst wenn mehr Menschen einem formalisierten Job nachgehen, kann der Binnenkonsum richtig entstehen und die Armut nachhaltig bekämpft werden.

Wie kann das Investitionsklima in Ghana verbessert werden?

Martens: Es ist wichtig, dass sich die Regierung um mehr Währungsstabilität bemüht. Die Staatsschulden müssen gesenkt werden, damit der Staat die Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen und im Anschluss wieder leichter Kreditgarantien aussprechen kann. Zudem sollten die Transparenz und Beratungsmöglichkeiten bei Gesetzesnovellen verbessert und mehr Fachkräfte ausgebildet werden. In vielen Bereichen befinden wir uns aber bereits auf einem sehr guten Weg, weshalb in den vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen in Ghana investiert haben.

Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Ghana ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil ...“

Martens: … sich das Land auf einem langfristigen Wachstumspfad befindet, es an einem strategisch wichtigen Knotenpunkt Afrikas liegt und es einen enormen Bedarf an Konsum- und Investitionsgütern gibt, wobei die Produkte deutscher Unternehmen sehr gefragt sind.

Zur Person

Delegation der Deutschen Wirtschaft Ghana

Patrick Martens arbeitete bereits für das Netzwerk der Auslandshandelskammern in Brasilien (São Paulo), Iran und Saudi-Arabien. 2005 wurde der studierte Verwaltungswissenschaftler Geschäftsführer der Ghanaian German Economic Association, bevor er 2010 zum Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Ghana ernannt wurde. 

Zur AHK Ghana

Ghana: eine starke sektorale Entwicklung

Über Ghana

  • BIP pro Kopf, in USD, 2016*: 1.533,9
  • Wirtschaftswachstum, 2016 in %, real*: 5,7 
  • Beziehungen zu Deutschland 2015 (Veränderung ggü. 2014)*:
    Dt. Einfuhren, in Mio. EUR: 270,4 (+ 32,1 %) Dt. Ausfuhren, in Mio. EUR: 266,5 (+ 1,0 %) 
  • Hermes Länderkategorie: 5 
  • Ease of Doing Business 2016: 114 von 189 Ländern

    Quellen: GTAI 2015, Destatis 
    * Prognose