5 Fragen an... Delegation der Deutschen Wirtschaft Saudi-Arabien

5 Fragen an… Oliver Oehms, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und den Jemen.

Saudi-Arabien kann als größte Volkswirtschaft des arabischen Raums trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren zurückblicken. Oliver Oehms, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und den Jemen, über die wirtschaftliche Stärke und die Vision 2030 des Landes.

2013 betrug das reale Wirtschaftswachstum 2,7, 2014 3,6 und 2015 3,4 Prozent. Wie gelang es dem stark vom Öl- und Gassektor abhängigen Königreich, trotz des Preisverfalls bei den fossilen Energieträgern auf dem Wachstumspfad zu bleiben?

Oehms: Die ausbleibenden Impulse aus dem Öl- und Gasbereich konnten vor allem durch höhere Konsumausgaben kompensiert werden. Aufgrund gesellschaftspolitischer Entwicklungen bestand beziehungsweise besteht ein großer Nachholbedarf in diesem Bereich. Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Bauindustrie. Wegen des Bevölkerungswachstums und des bestehenden Wohnungsmangels wurden hier viele Investitionen getätigt. Vorteilhaft ist, dass das Wachstum also zunehmend in der Privatwirtschaft entsteht und nicht mehr so stark vom Staat abhängig ist.

Durch die im April beschlossene Vision 2030 des Wirtschaftsministeriums soll die positive Entwicklung anhalten. Worum geht es bei der Vision und wie bewerten Sie diese?

Oehms: Zusammengefasst geht es bei der Vision um eine Diversifizierung der Wirtschaft. In Saudi-Arabien gibt es bisher kleine industrielle Inseln, aber keine Cluster. Dies ist für ein Land dieser Größe und mit diesen finanziellen Möglichkeiten ungewöhnlich. Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen in Saudi-Arabien, zum Beispiel eine gut ausgebaute Infrastruktur und weiterhin sehr geringe Energiekosten, sind dafür sehr positiv. Dass das Land nun also nicht zuletzt aufgrund des niedrigen Ölpreises einen neuen Weg einschlagen muss und wird, darin stimmen alle Akteure überein. Deshalb sind die skizierten Schritte absolut notwendig und richtig.

Bietet die Vision auch Potenzial für Aktivitäten deutscher Firmen?

Oehms: Die Vision ist mit Sicherheit ein weiterer Türöffner für erfolgreiche Investitionen in Saudi-Arabien. Es wird sehr viel Geld in die Hand genommen, um die industrielle Entwicklung voranzutreiben, und immer da, wo Industrien aufgebaut werden, kommen deutsche Maschinen, Anlagen sowie weiteres deutsches Know-how ins Spiel. Hinter der Vision steckt ein umfassendes Transformationsprogramm für die nächsten fünf Jahre, das sehr detailliert fast dreihundert Einzelaktivitäten aufführt, aus denen sich zahlreiche Chancen für deutsche Unternehmen ergeben. Der Regierung liegt die Förderung des heimischen Mittelstandes besonders am Herzen. Damit öffnet sich auch der Raum für zahlreiche Kooperationen mit dem deutschen Mittelstand.

Eine Dienstleistung aus dem Portfolio Ihrer AHK ist der Quick Market Check. Für wen bietet sich dieser an?

Oehms: Der Quick Market Check ist vor allem für Unternehmen geeignet, die sich noch nicht sicher sind, ob sie in den Markt einsteigen. Wir nehmen Kontakt zu saudischen Unternehmen auf und analysieren im Anschluss, ob sich in Saudi-Arabien ausreichende Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Weil das Land für sehr viele deutsche Unternehmen gute Investitionsgelegenheiten bietet, folgt auf den Check oftmals direkt die Geschäftspartnervermittlung. Dabei bieten wir den Unternehmen mit unserem erfahrenen Team einen umfassenden Service. Wir helfen unter anderem bei der bereits angesprochenen schwierigen Einreise, bei der Organisation von Geschäftstreffen und Übersetzungen.

In welchen Bereichen sehen Sie den größten Handlungsbedarf um die Investitionsbedingungen weiter zu verbessern?

Oehms: Gerade bei der Unternehmensgründung ist ein Abbau der bürokratischen und finanziellen Hürden wünschenswert. Zwar ist das Verfahren sehr transparent, aber die Komplexität und Kosten sind insbesondere für kleinere Unternehmen hoch, sodass manche lohnenswerte Aktivitäten leider unterbleiben. Zudem behindern strenge Ein- und Ausreiseregelungen für Geschäftsleute einen regeren Austausch.

+ Beenden Sie bitte den folgenden Satz: „Saudi-Arabien ist ein attraktiver Investitions- und Exportmarkt, weil ...“

Oehms: ... das Land dank gewaltiger finanzieller Reserven auf der Suche nach Investitionsprojekten ist und mit seiner Vision 2030 gerade für deutsche Unternehmen zahlreiche Chancen bietet.

Zur Person

Oliver Oehms war nach seinem Studium in Politik, Öffentlichem Recht und Afrika-Studien für den Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft, die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, die nationale indonesische Handelskammer und die GIZ in Jakarta tätig. Seit Anfang des Jahres 2016 ist er Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen.

Zur AHK Saudi-Arabien

  • Gründungsjahr: 1979
  • Standort: Riad, Dammam
  • Kontakt: Oliver Oehms
  • E. oehms@ahk-arabia.com.
  • T. +966(0)11 405 0201

    Saudi-Arabien: wichtigste wirtschaftliche Ziele der Vision 2030

    Über Saudi-Arabien

    • BIP pro Kopf, in USD, 2016*: 19.313
    • Wirtschaftswachstum, 2016 in %, real*: 1,2
    • Beziehungen zu Deutschland 2015 (Veränderung ggü. 2014)*:
      Dt. Einfuhren, in Mio. EUR: 872,6
      (- 21,0 %)
      Dt. Ausfuhren, in Mio. EUR: 9.962,3
      (+ 12,2 %)
    • Hermes Länderkategorie: 2
    • Ease of Doing Business 2016: 82 von 189 Ländern

      Quellen: GTAI 2015, Destatis 
      * Prognose