Australien und die Europäische Union rücken wirtschaftlich enger zusammen. Trotz der großen geografischen Distanz teilen beide Partner zentrale Werte und ein starkes Interesse an einer stabilen, regelbasierten Handelsordnung. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen gewinnt das geplante EU‑Australien‑Freihandelsabkommen zunehmend an Bedeutung.
Marko Walde, Geschäftsführer der AHK Australien, erläutert im Interview, warum Australien für Europa – und besonders für deutsche Unternehmen – ein strategisch wichtiger Standort ist. Er zeigt auf, wie ein solches Abkommen Handelshürden abbauen, Wertschöpfung stärken und die industrielle Zusammenarbeit verbessern könnte. Außerdem erklärt er, wie die AHK Australien Unternehmen bereits heute unterstützt, den Markteintritt zu meistern und ihre Chancen im australischen Markt optimal zu nutzen.
Was verbindet Australien und die EU – und warum ist ein Freihandelsabkommen gerade jetzt wichtig?
Um es mit den Worten Ursula von der Leyen zu sagen: “Die EU und Australien sind geographisch weit entfernt, aber in der Weise, wie wir die Welt sehen, könnten wir uns nicht näherstehen.“ (Englisches Zitat: “The EU and Australia may be geographically far apart but we couldn't be closer in terms of how we see the world.”)
Das Freihandelsabkommen ist ein gemeinsames Bekenntnis zur regelbasierten Ordnung. Dass hier zwei gleichgesinnte Partner zueinandergefunden haben, ist in der aktuellen geopolitischen Situation ein starkes Signal – für Europa wie für Australien.
Europa bekommt einen neuen, ‚like-minded‘ Handelspartner und das in einer Region, Asien-Pazifik, die nach wie vor weltweit am schnellsten wächst.
Australien benötigt dringend mehr Wertschöpfung für den Aufbau einer wirklich verarbeitenden Industrie. Hier ergänzen sich beide Partner perfekt.
Welche Auswirkungen hätte ein solches Abkommen für deutsche Unternehmen in Australien?
Es geht darum, das gemeinsame Handelsvolumen stetig und nachhaltig zu erhöhen – durch den Abbau von Zöllen, nicht-tarifären Handelshemmnissen und bürokratischen Hürden beim Warenverkehr.
Das Abkommen bietet neben dem Handel für beide Seiten enorme Vorteile. Australien will als rohstoffreiches Land seine Wertschöpfung erhöhen und die EU ist einerseits dankbarer Abnehmer und kann zudem als Technologiepartner beim Aufbau verschiedener Industrien in Australien unterstützen. Dabei kommt insbesondere Deutschland eine Schlüsselrolle zu.
Australien ist mit 27 Millionen Einwohnern an sich kein besonders großer Markt. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Bundesstaat eigene Standards hat – einheitliche Normen für das gesamte Land wären daher ein großer Gewinn für uns und die deutsche Industrie. Konkret bedeutet das: Wer heute Kunden in Victoria, Queensland und Western Australia beliefert, kann nicht dieselbe Maschine ausliefern – sie muss jeweils an die bundesstaatlichen Standards angepasst werden. Wir erhoffen uns, dass auch diese Hürde im Rahmen des Freihandelsabkommens beseitigt wird.
Wie unterstützt die AHK Australien deutsche Unternehmen?
Als AHK Australien sind wir natürlich vor Ort und haben den Finger auf dem Puls. Durch die enge Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft, GTAI und lokalen Partnern vor Ort, bieten wir exzellente Rahmenbedingungen und ein einmaliges Netzwerk für deutsche Unternehmen, den australischen Markt zu erklimmen. Unser erfahrenes Team in Sydney und Melbourne kann Unternehmen vom Erstberatungsgespräch bis hin zur Firmengründung und darüber hinaus bestens betreuen. Zusätzlich dazu, wenn Ihr Unternehmen im Bereich Energie, Bergbau oder Gesundheit tätig ist, haben wir eine themenspezifische Betreuung durch unsere etablierten Industriecluster. Aber wir nehmen das aktuelle FTA natürlich zum Anlass, um nun auch in Deutschland verstärkt Veranstaltungen anzubieten, um Unternehmen persönlich vor Ort zu beraten.