Logo der Die Deutschen Auslandshandelskammern

Warum ein EU–Indien-Freihandelsabkommen jetzt entscheidend ist

  • News

Indien zählt zu den dynamischsten Wachstumsmärkten weltweit und bietet enorme Potenziale für deutsche Unternehmen. Ein EU–Indien-Freihandelsabkommen könnte viele Markteintrittsbarrieren senken und neue Spielräume eröffnen. Was das konkret bedeutet, erläutert Jan Nöther, Geschäftsführer der AHK Indien, im Gespräch.

Jan Nöther_klein

Offene Märkte und starke Partnerschaften gewinnen angesichts globaler Umbrüche zunehmend an Bedeutung. Indien hat sich in den vergangenen Jahren zur am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft entwickelt und spielt eine zentrale Rolle in internationalen Lieferketten und Zukunftsbranchen. Ein umfassendes EU–Indien-Freihandelsabkommen könnte europäischen Unternehmen nicht nur besseren Marktzugang ermöglichen, sondern auch strategische Abhängigkeiten reduzieren und langfristige wirtschaftliche Chancen eröffnen. Im Gespräch erläutert Jan Nöther, welche Potenziale das Abkommen bietet und welche Rolle die Deutsch-Indische Handelskammer (AHK Indien) bei der Vorbereitung und Umsetzung für deutsche Unternehmen übernimmt.

Jan Nöther Sharepic
DIHK DEinternational GmbH
Warum ist das EU–Indien-Freihandelsabkommen gerade jetzt so wichtig?

Handelspolitische Spannungen, zunehmender Protektionismus und eine stärkere Blockbildung prägen das globale Wirtschaftsumfeld. Umso wichtiger ist es, Partnerschaften mit demokratischen, wachstumsorientierten Volkswirtschaften zu festigen, Lieferketten zu diversifizieren und über Jahre gewachsene strategische Abhängigkeiten – insbesondere von China – schrittweise abzubauen. Indien ist die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft und dürfte bis 2030 zu den drei größten Wirtschaftsnationen weltweit zählen. Zur Erreichung dieses Ziels sind umfangreiche Investitionen in Infrastruktur, technologieorientierte Wertschöpfungsketten sowie Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Automobil, Chemie, Pharma und erneuerbare Energien erforderlich. Ein EU–Indien-Freihandelsabkommen würde durch den Abbau von Importzöllen und aufgrund der Vereinfachung des Marktzugangs die Wettbewerbsposition europäischer Unternehmen im indischen Binnenmarkt deutlich stärken. Zugleich eröffnet es besseren Zugang zu einem Markt mit 1,47 Milliarden Menschen und einer stetig wachsenden, konsumorientierten Mittelschicht.

Was bedeutet es konkret für deutsche Unternehmen in Indien?

Ein EU–Indien-Freihandelsabkommen wird für deutsche Unternehmen vor allem strukturelle Verbesserungen beim Marktzugang bringen. Durch den schrittweisen Abbau teils hoher Zölle können Produkte wettbewerbsfähiger angeboten und Margen stabilisiert werden. Ebenso wichtig wird die Reduzierung nichttarifärer Handelshemmnisse sein, etwa bei Zertifizierungs- und Zulassungsverfahren, was Planbarkeit und administrative Effizienz erhöhen wird. Für investierende Unternehmen wird mehr Rechtssicherheit entstehen, insbesondere beim Schutz geistigen Eigentums und bei Streitbeilegungsmechanismen. Vor dem Hintergrund von „China+1“-Strategien wird Indien als Produktions- und Diversifizierungsstandort zusätzlich an Attraktivität gewinnen. Zugleich wird das Abkommen Wettbewerbsnachteile gegenüber Ländern mit bestehenden Präferenzabkommen verringern. Insgesamt stärkt das FTA damit Kostenstruktur, Investitionssicherheit und die strategische Positionierung deutscher Unternehmen in einem der dynamischsten Wachstumsmärkte weltweit.

Welche Rolle spielt die AHK Indien als erster Ansprechpartner für deutsche Unternehmen?

Im Kontext des EU–Indien-Freihandelsabkommens übernimmt die Deutsch-Indische Handelskammer (AHK Indien) eine zentrale Rolle als erste Anlaufstelle für deutsche Unternehmen. Gemeinsam mit der europäischen Handelskammer FEBI analysiert sie die Inhalte und den Umsetzungsstand des Abkommens und bereitet diese praxisnah auf, insbesondere im Hinblick auf Zollsenkungen, Ursprungsregeln und regulatorische Erleichterungen. Damit unterstützt sie Unternehmen dabei, neue Präferenzregelungen korrekt anzuwenden und strategisch in Lieferketten- und Investitionsentscheidungen einzubinden. Über Arbeitskreise, Dialogformate und Positionspapiere bündelt die AHK / FEBI zudem die Rückmeldungen der Wirtschaft und bringt diese in wirtschaftspolitische Gespräche ein. In der Implementierungsphase wird die AHK Indien sie als Mittler bei praktischen Fragen auftreten, etwa in Bereichen Zoll oder Marktzugang. Zugleich begleitet sie Unternehmen strategisch bei der Einordnung des Abkommens in deren Indien- und Diversifizierungsstrategien. Somit wirkt die AHK als Informationsdrehscheibe, Brückenbauer und Impulsgeber, damit deutsche Unternehmen die Chancen des Freihandelsabkommens effektiv nutzen können.

In den Kategorien:

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub